London & Dorset – Oktober 2017 – Teil 2 (Dorset)

Am nächsten Morgen sage ich der großen Stadt ‚Goodbye‘ und es geht zur Waterloo Station, wo ich meine vorgebuchten Tickets mittels Kreditkarte an einem Automaten abhole…Auf geht’s zum zweiten Teil meiner Reise…

Dorset

London & Dorset – Oktober 2017 – Teil 2 (Dorset)
Waterloo Station

Die Züge und ihre Abfahrtszeiten sind alle an einer elektronischen Anzeigetafel angeschlagen und ich kann genüsslich beobachten, wie nach und nach die einzelnen Verbindungen immer weiter nach oben rutschen…

Der Zugang zu den einzelnen Gleisen erfolgt hier in England, genauso wie in Irland, nur durch eine Ticketkontrolle an einer Schranke, welche sich nach erfolgtem Durchführen desselben öffnet…

Es folgt eine ca. 3-stündige Zugfahrt mit Southwest Trains, die, nachdem man das Moloch London erstmal verlassen, hat, an allerlei kleinen Ortschaften vorbei direkt durch die ländliche Idylle ans Meer führt…

Da mein Gesicht unverkennbar den letzten Tagen Tribut zollen muss, verzichte ich zunächst darauf, weitere Fotos zu machen…

Nachdem ich in Dorchester am Bahnhof angekommen bin, muss ich erstmal ne Runde auf den Bus warten. Also noch Zeit, um sich bei einem dieser hippen Coffee-Shops (Costa’s) einen Kaffee mit entrahmter (skimmed) Milch zu holen…

Wenn man müde ist, sind einem die über 3 GBP, die man dafür auf den Tisch legen muss, auch egal, von den Zigarettenpreisen auf den Britischen Inseln  ganz zu schweigen…  2-3 Zigarettenlängen später geht’s dann mit dem X51  auf einer ca. 40 Minütigen Fahrt nach Bridport… Da ich ca. 5 Kilometer vor Bridport raus muss, läuft das GPS auf dem Handy mit…

Das klappt alles prima und ich stehe  ein knappes Stündchen später vor der Tür der St. Lukes Farm in Shipton Gorge, einer – wie man bei uns wohl sagen würde – Bauernschaft, die ein Teil von Bridport ist…

Dort werde ich von Marc begrüßt, der mich zu meinem Zimmer führt und mir anbietet, mich noch in die Stadt zu bringen. Da ich erstmal nicht darauf bedacht bin, die Gastfreundlichkeit überzustrapazieren, lehne ich höflich ab, um kurze Zeit später, nachdem ich aus dem Fenster meines Zimmers die Umgebung  bestaunt habe, auf das Angebot zurückkomme. Zunächst aber halte ich mich eine Weile auf der Terrasse auf  und genieße den Ausblick, der tatsächlich so aussieht wie auf dem Bild der Plattform, wo ich die Unterkunft gebucht habe…

Nachdem ich die Zeit ein wenig zum Ankommen genutzt habe, frage ich Mark, ob ich auf sein Angebot zurückkommen darf. Er fährt mich nach einigen Minuten bereitwillig nach Bridport, wo ich bei einem Inder esse und mich in einem Supermarkt mit Lebensmitteln eindecke (auch wenn Mark später nochmals betont, ich hätte mich an Dingen im Kühlschrank bedienen können) und erkunde das kleine Örtchen, welches meines Erachtens um diese Zeit des Tages für den Touristen erstmal nicht allzu viel Sehenswertes zu bieten hat… Dennoch ist es nett und ich streife durch die Straßen…

Ich habe mich mit Mark um eine gewisse Zeit verabredet und wie besprochen, werde ich am vereinbarten Ort abgeholt… Unterwegs quatschen wir über Gott und die Welt, Angela Merkel, die Flüchtlingskrise und den Brexit und er lobt mein Englisch, was mich natürlich freut und ermutigt.

Der Abend geht damit zuende, dass ich mir in der Küche noch etwas zu essen mache und nach ein paar Zigaretten auf der Terasse meine Nachtruhe beginne…

London & Dorset – Oktober 2017 – Teil 2 (Dorset)
Einfach gemütlich… wenn auch ohne TV

Am nächsten Morgen – ich habe geschlafen wie ein Baby – geht’s nach einer Dusche im kleineren der beiden Badezimmer auf meiner Etage, auf zum Meer. Erfrischt mache ich auf nach unten, um mir einen Kaffee zu machen und…. nun Ihr wisst schon…. meine Lunge zu teeren….

Beim Frühstück lerne ich Marks Frau Julie kennen. Wir kommen ins Gespräch, obwohl es mir noch ein wenig zu früh für Unterhaltung ist. Sie erzählt mir, dass Mark übers Wochenende aus dem Haus ist. So werden wir in den nächsten Tagen noch einige Gelegenheit haben, uns zu unterhalten. Immer mit großen Lauschern dabei, die beiden Hunde des Haushalts, der eine von Ihnen, Dexter, groß und neugierig und der andere alt und dafür umso mehr mit Bellen auf sich merksam machend… Mich scheinen sie zu mögen, zumindest besteht ersterer darauf, mich bei meinen Exkursionen auf die Terrasse zu begleiten.

Nach dem Frühstück mache ich mich auf den Weg zum Meer. Gleich vor dem Haus kann man den Weg entlang über verschiedene kleine Dörfer nach West Bay beginnen. Ich fühle mich wie der Hobbit Bilbo, als ich pfeifend das Tor öffne…

The Road goes ever on and on
Down from the door where it began.
Now far ahead the Road has gone,
And I must follow, if I can,
Pursuing it with eager feet,
Until it joins some larger way
Where many paths and errands meet.
And whither then? I cannot say (J. R. R. Tolkien, The Hobbit).

Da ist es also, das Örtchen West Bay. Ich mache mich an den Ort zu erkunden… Nachdem ich nun vor 2 Wochen die 3. Staffel geschaut habe, war es witzig, all die Orte wieder zu erkennen…

Ich wandere um den Hafen herum und entdecke dies und das… Ich überlege lange, bevor ich in die Cornish Bakery gehe, weil der Laden gut frequentiert ist… Neben Touris, älteren Paaren und jüngerem Klientel, welche hier irgendeinem wissenschaftlichen Projekt nachzugehen schein, gibt es auch jede Menge Laufkundschaft… Die Pastys sehen lecker aus… Also bestelle ich mir eines mit Schweinefleisch- und Rharbaberfüllung, dazu einen Cappucino… Wüüüüüürg… Nicht mein Fall… Gott sei Dank blieb das der einzige kulinarische Ausfall während der Reise… Ich genieße den Aufenthalt hier, ein gutes Stündchen, bevor es mich zurück an die Klippen zieht und ich mich langsam auf den Rückweg mache, für den ich gut 2 Stunden brauche…

Den Rest des Tages verbringe ich mit chillen, essen und da ich entdeckt habe, dass Netflix in UK die neuste Staffel von House of Cards anbietet, schaue ich mir davon auch ein oder zwei Folgen an, bevor ich in den wohlverdienten Schlaf falle… zzzZZZZ

Den nächsten Tag beschließe ich, mit dem Bus nach Dorchester zu fahren. Bei diesem Unterfangen komme ich mir vor wie Frogger, da an der stark befahrenen Landstrasse mangels entsprechender Wege Fußgänger einem erhöhten Stressniveau ausgesetzt. Bis zur Bushhalte sind es Gott sei Dank nicht allzu viele Meter, so dass ich nach kurzer Wartezeit den Bus Richtung Dorchester besteige. Dort angekommen, wander ich ein wenig in der Stadt umher, wo ich mich nach einem ausgiebigen Englischen Frühstück zur Mittagszeit dazu entschließe, mir ein zweites Mal Blade Runner 2049 anzusehen, den ich mir bereits  1-2 Wochen zuvor in Deutschland  angesehen hatte. Im dortigen Kino, dem Odeon, regiert schon die Vollautomatisierung beim Ticketkauf. Automaten ersetzen das Personal, so dass der Kinogang einer klinsisch sterilen Erfahrung gleicht, was aber vielleicht zur Einstimmung auf den Film gut taugt 😉 Der Film selbst ist wie auch schon beim ersten Mal ein audiovisuelles Feuerwerk, wobei der Ton nicht mit der Darbietung in der Heimat mithalten konnte. Dennoch mache ich mich nach gut 2h 44m zurück auf den Weg Richung Bridport, wo der Abend ziemlich ereignislos aber nicht unschön zuende geht.

Am nächsten Tag nehme ich wieder den Weg Richtung Meer, um an der Bushalte auf den Bus nach Lyme Regis zu warten. Es gibt hierzu nicht viel zu erzählen. Die Bilder, denke ich, sprechen ihre eigene Sprache. Für mich war es ein recht netter Spätmorgen/Frühnachmittag, bevor es um 15 Uhr wieder zurück zur St. Lukes Farm geht.

Am nächsten Tag will ich mit dem Bus nach Bridport. Da keiner kommt, versuche ich mich am Weg zu Fuß, gebe aber nach kurzer Zeit auf. Auch der Weg über ein Feld bzw. großes Arial führt mich nach einigen Minuten in eine Sackgasse, so dass ich mir sinnlos eine Stunde um die Ohren geschlagen habe. 😉 Ich schlage mich an der Straße zur nächsten Bushalte durch, wo dann irgendwann der Bus kommt und mich nach Bridport bringt. Draußen ist es mittlerweile so dunkel geworden, dass man meinen könnte, es sei 19:00 Uhr abends, nicht 11 Uhr morgens…

Ich gehe ein wenig in der Stadt spazieren, bevor ich zurück zu Unterkunft fahre und dort meinen letzten Abend verbringe. Ich frage Julie, ob sie mich am kommenden Tag nach Dorchester bringen kann, was sie mir ohne mit der Wimper zu zucken zusagt.

Ich muss an dieser Stelle loswerden, dass die Gespräch mit Julie und Mark sehr schön waren und ein gewisses tiefgehendes Niveau hatten, so dass man fast meinen konnte, sich ewig zu kennen. Das mag sicher damit zu tun haben, dass beide wohl eine Ausbildung zur Telefonseelsorge hatten, was übrigens auch für ein Kennenlernen der beiden verantwortlich war… Julie und Mark haben mir mit ihren Geschichten und Aufmunterungen echt Mut gemacht, dass es auch in einer abgeklärten Welt wie der heutigen noch echte Geschichten gibt, die wie Märchen anmuten 🙂

Am nächsten Morgen bringt mich Julie wie versprochen nach Dorchester. Auf dem Weg unterhalten wir uns über meine Arbeit und sie erzählt mir von ihren Erfahrungen, die sie beispielsweise in ihrer Firma mit jungen,  Menschen, die wie jede Generation mit ihren ganz eigenen Herausforderungen und Problemen zu kämpfen haben.

Bevor wir uns versehen, wir sind wir dann auch schon in Dorchester angekommen, wo mich Julie nach kräftigem Drücker liebevoll verabschiedet, bevor sie sich bei Costas’s mit einem Coffee-to-go für den Rückweg versorgt. Ich warte derweil mehrere Zigarettenlängen auf meinen Zug, der mich gegen 09 Uhr binnen 3 Stunden wieder zurück nach London Waterloo bringt, von wo aus ich wieder zum Flughafen Luton reise. Das dortige Einchecken soll auch mit einer Maschinen, die an eine Waage erinnert, automatisiert unterstützt werden. Ich finde das alles sehr stressig. Nichts desto trotz steige ich gegen 15:50 Ortszeit in den Flieger, der mich binnen einer Flugzeit von einer Stunde wohlbehalten zurück nach Dortmund bringt, wo ich den Bus nach Aplerbeck und von dort aus die U-Bahn nach Hause nehme.