Ca’n Picalifornication

 Eine Woche auf Mallorca im August 2018

Mallorca.

17. Bundesland.

Ort von Saufgelagen, Ballermann, Partyinsel…

So oder so ähnlich waren meine Assoziationen mit der Insel, bis ich sie in diesem Sommer selbst kennenlernen durfte. Nachdem sich bei mir in den letzen zwei Jahren eine gewisse Hitzetoleranz eingestellt hatte und ich zunehmend das Bedürfnis verspürte, mich in der Sonne aufzuhalten, dachte ich mir es sei endlich mal an der Zeit, meinen Vorurteilen ein Ende zu bereiten. Es sei soviel vorab gesagt… Ich fand es einfach super dort und ich würde gern wieder hin. Nicht unbedingt als Pauschaltourist, sondern vielleicht eher als Wanderer in der Tramuntana.

Anfang Juli 2018 unterhielt ich mich mit meinem guten Freund Dr. Glück bei einem unserer Spaziergänge am Phönixsee über Pauschaulurlaube und wir beschlossen spontan, eine Reise in die Sonne zu unternehmen. Als Reiseziel kristallisierte sich schnell Mallorca heraus.

In mehreren Reisebüros wurden Angebote eingeholt, wobei wir uns letzlich nach Beratung mit einer im positiven Sinne durchgeknallten Reiseverkehrskauffrau für eine Reise nach Can Picafort, einem Ortsteil der Gemeinde Santa Margalida, entschieden…


Rund 4 Wochen später treffe ich mich mit meinem Kumpel am Vorabend der Reise zu einem kleinen Umtrunk am Markt in Dortmund, bevor es es früh morgens um 01:00 Uhr mit dem Zug  nach Köln-Bonn und von dort aus um 06:50 Uhr mit Condor nach Palma weitergeht.

Flughafen…Wartezeit totschlagen… >> Vorspulen.

Szenenwechsel. Ich sitze im Flugzeug. Eine Stimme ertönt durch das bordeigene PA-System….

„Operated by Powerlynx…. Hell ow… Your crew on this flight today… Helena, Igorrrr, Natalie and my name is… VLAD… your captain..  (es folgt ein SLLLURRRRP):D Mag sein, dass ich mich aufgrund unzureichenden Schlafes verhört habe oder einfach halluziniere… 😉 Auf jeden Fall kein Condor Mitarbeiter mit auf dem Flug. Egal, tut dem Ganzen keinen Abbruch, aber ein Billigflug mit Ryanair oder Easyjet hätte in etwa den selben Charme gehabt…

Immer wieder versuche ich, während des Fluges ein paar Minuten Schlaf zu bekommen, was aufgrund des nicht vorhandenen „Hörnchens“ für den Nacken ein schmerzhaftes Unterfangen ist.

Gut 2 Stunden später… Blick aus dem Fenster. Ich sehe Berge… Ich denke zunächst, wir sind noch irgendwo über dem Festland, befinden uns aber tatsächlich schon im Anflug auf den Aeropuerto de Palma de Mallorca.

Die Ankunft in Palma gestaltet sich unspektakulär und muss so gegen 9 Uhr morgens erfolgt sein. Mir fällt auf, dass der Flughafen eine gewisse Größe hat… Klar, wie sollte er auch sonst dem Ansturm der vielen Touristen gerecht werden? Werbung in deutscher Sprache…  alles fühlt sich tatsächlich irgendwie an, als sein man nicht weit weg von zuhause… Nach der Gepäckabholung melden wir uns kurz am Stand von L’turs, wo wir unsere Infos zum Transfer bekommen. Raus ins Freie. Ziemlich warm hier… Ich sehe Palmen… 🙂

Can Picafort liegt ca. 65 Kilometer vom Flughafen Palma entfernt. Nach einer guten halben Stunde Warten im Bus, wo wir vor Zustieg von einem brummeligen Busfahrer empfangen wurden, machen wir uns gegen 10 Uhr nach Can Picafort auf. Wir sind in etwa 1 1/2 Stunden unterwegs, weil wir an jeder Milchkanne halten. Natürlich sind wir, mit 2 anderen Deutschen, die letzten, die der Busfahrer am Hotel abliefert. Einchecken im Hotel BQ Can Picafort. 4 Sterne. Als bis dato Nicht-Pauschalurlauber bin ich gespannt.

Vor dem Eingang sprechen uns Leute an, ob wir Bier wollen… sie sind auf der Heimreise und wollen es nicht mitnehmen… Das gute San Miguel… Ich kann es bis heute nicht fassen, dass wir es binnen einer Woche nicht getrunken haben 😀

Die Lobby ist klimatisiert… Das fällt einem bei den Temperaturen natürlich sofort angenehm auf… An der Rezeption nehmen wir Keycards fürs Zimmer, Wlan-Passwörter für die Lobby (auf dem Zimmer kostet es extra, whooot?) und ein paar Infos in Empfang. Schnell noch die Kurtaxe bezahlt und schon geht´s hinauf zum Zimmer. Klimaanlage gecheckt und auf 18 Grad gestellt… geduscht, Sachen ausgepackt und ab in Richtung Strand, welcher keine 200 Meter entfernt ist…

Bevor wir dem Meer aber hallo sagen, entscheiden wir uns dazu,  in der Playa Bar Restaurante etwas zu essen… für mich gibt es Hamburger mit Pommes und ein Blondes…. Schließlich ist Urlaub. Meine Reisebegleitung entscheidet sich für Omlette…
Vom Restaurant aus haben wir einen tollen Blick auf den Strand und das Meer.

WOW!!! Was für ein Anblick. Einfach nur toll…. Das Meer, einfach dieses Blau, wie man es sich vorstellt…. Ich bin beeindruckt.

Nachdem wir mit dem Essen fertig sind, geht es erstmal auf Erkundungstour. Wir laufen die Promenade in Richtung San Baolo, bevor es gegen halb 3 erstmal zurück ins Hotel geht… Ausruhen, bevor das Abendessen ab halb 7 auf dem Programm steht. Wir nehmen draußen Platz, bestellen Getränke und bedienen uns am sehr üppigen Büffet, wo echt für jeden etwas dabei ist… Nach dem Abendessen gehe ich nochmal zum Strand, bevor es dann irgendwann in die Heija geht… Nach 40 Stunden, ohne ein Auge zuzutun, schlafe ich wie ein Baby…

It’s a brand new day

Am nächsten Morgen geht´s nach dem Duschen flux zum Frühstück. Ich stelle mir ein English Breakfast zusammen, obwohl es nicht die Eigenschaften hat, die ich mir gewünscht hätte. Außerdem mache ich Bekanntschaft mit der Sobrasada, der mallorquinischen Rohwurst, welche die kommenden Tage noch häufiger auf meinem Frühstückteller landen sollte.

Ich bin es nicht nicht mehr gewohnt, so üppig zu essen, kann aber kaum widerstehen und trinke bis 9 Uhr einige Tassen Kaffee, bevor ich beschließe, zum Strand zu gehen und ne Runde im Meer zu schwimmen.

Das Wasser ist warm, so dass man keine Probleme hat, sich zu akklimatisieren. Wunderbar. Ich plansche ein wenig und lese ein paar Seiten in meinem Buch… Das wiederhole ich ein paar Mal bevor ich wieder zurück zum Hotel gehe.

Gegen Mittag geht es zu einem kleinen Spaziergang, wieder erst in Richtung Son Balo, später zurück in die andere Richtung (Alcudia).

Wir machen einen kurzen Abstecher in den Parc natural de s’Albufera de Mallorca, von dem wir allerdings nicht sehr viel sehen… Es riecht nach Pinien.

Zurück im Hotel. Zwischenzeitlich regnet es aus Eimern. Nach dem Abendessen geht es nochmal zur Promenade, wo wir in die Jamaica Bar einkehren… Ich habe einen Erdbeer Daiquiri, fortan mein neues Lieblingsgetränk, später in einer netten Lounge noch einen weiteren, bevor es ins Bettelein geht…

Was geht am nächsten Tag?

Nach dem Frühstück gehe ich erstmal wieder ne Runde schwimmen und genieße die Atmosphäre am Strand…

Später drehe ich mit Dr. Glück noch eine Runde am Strand. Wir kommen an der Surfschule vorbei und mein Kumpel entscheidet sich nach einigen Erkundigungen, heute eine Stunde zu nehmen…

Ich mache mich in die andere Richtung auf und nehme mir vor, heute noch zu der Necropole zu wandern, von der ich in einem Wanderbüchslein gelesen habe.

Ich komme lediglich bis San Baolo, aber es ist so tierisch heiß heute und da mir Google Maps lustige Entfernungswerte ausspuckt, entscheide ich mich abzubrechen…

Es geht zurück nach Can Pica…

„La serveza es la prueba de que dios existe y nos quiere ver contentos.“

Das Bier ist der Beweis, dass es einen Gott gibt und er die Menschen zufrieden sehen will… Das könnte neben „Podemos pagar nostras bebidas“ mein Initalsatz werden, um Spanisch zu lernen… 😀

Es folgt ein kleines Hotel-Pool-Intermezzo mit Buch… und Installation „Brille auf Kaffeetasse„… bevor es zum Abendessen und später zu Pirates geht. Unsere Cocktailbar für den Rest des Urlaubs… DAIQUIRI TIME!

Am nächsten Tag geht´s nach dem Frühstück erneut an den Strand. Lesen und schwimmen.

Besuch der Finca sowie Necropole Son Real

Nachdem ich mich im Hotel kurz frisch gemacht habe, breche ich gegen 11 Uhr auf, um die Wanderung zur Necropole zu machen. Draußen herrschen wieder die krassesten Temperaturen. Nachdem ich den Strand in Son Baolo links liegen gelassen und mir eine Flasche Wasser für den Weg gekauft habe, geht es durch den Ort, bevor ich irgendwann an eine Landstraße komme, die mich zur Finca Son Real führt…. Der unwirtliche Weg, den ich mit Flip Flops beschreite, geht eine gute Dreiviertelstunde an der Straße entlang, bietet aber in Höhe der Finca nette Aussichten am Horizont.

An der Finca angekommen, schaue ich mich ein wenig um und sauge ein wenig die Stimmung auf, bevor ich mich Richtung Meer auf den Weg zur Necropole mache….

Es geht ca. 2 Kilometer einen Weg entlang durch ein Dünenschutzgebiet, bevor ich am Meer ankomme. Hier ist wenig los und man bekommt das Gefühl, auf einem anderen Planeten zu sein. Mich erinnert die Szenerie ein wenig an den Film Stargate….

Weiter geht´s… Ziel Necropole…. Als Grabstätten der talayotischen Oberschicht  ca. 700 v. Christus angelegt, bietet uns diese Ansammlung von Gräbern einen Blick in die Vergangenheit der Insel. Ich verweile kurz und mache mich auf den Weg zurück nach Son Baolo, denn es ist heiß und mein Wasservorrat neigt sich dem Ende zu. In Son Baolo halte ich kurz noch an einem Haus inne, wo eine Bekanntmachung die Touristen um gesammelten Plastimüll bittet. Dieser wird dann wohl zu kleinen Kunstwerken verarbeitet.

Es folgt ein weiteres opulentes Abendessen, bevor wir den Abend (IHR AHNT ES) mit Daiquiri und Franziskaner Altbier (mit 2 Eiswürfeln!!!) ausklingen lassen 🙂 Ich glaube spätestens an dem Abend kennt uns einer der Kellner bereits.

Wanderung auf der Halbsinsel Victoria

Am nächsten Tag machen wir uns nach dem Frühstück mit dem Bus auf nach Port d’Alcúdia. Unser Ziel heute… eine Wanderung auf der Halbinsel Victoria. Dort angekommen, bewegen wir uns zunächst ca. 3 Kilometer Richtung Carrer de Pollencia über die Carrer de Xarrer, bis wir auf das erste Schild treffen, welches uns die Optionen für unsere heutige Wanderung aufzeigt…

Der erste Kilometer führt uns auf einem recht schattigen Weg (Cami del Puig Xacon) entlang einiger hinter Mauern vor neugierigen Blicken geschützt gelegenen Wohnhäusern tiefer in das Terrain, bis wir die Kreuzung einer breiteren Straße (die Carrer de la Muntaña) erreichen, der wir Richtung Osten folgen.

Weiter geht es – und noch sehen wir die Berge aus sicherer Entfernung, aber nachdem wir so eine gute Stunde weiter gewandert sind und das Refugi coll baix erreichen, wird es auch für uns langsam ernst 🙂

Nach einer kleinen Pause und ein wenig naturkundlicher Information zum Boc Balear, so der Name der mallorcinischen Ziege, die in dieser Gegend beheimatet ist, geht es stetig bergauf und es bieten sich uns grandisose Aussichten auf das Meer, vorbeifahrende Schiffe und Teile der Insel… Der Aufsteig zum Gipfel, der Weg als solcher ist manchmal ein wenig schwer zu erkennen, dauert gute zwei Stunden, bevor wir diesen (Talia d’Alcudia) erreichen und den o. g. mallorcinischen Bergziegen begegnen…

Wir machen uns auf den Abstieg zur Ermita de la Victoria, der geschätzt 45 Minuten in Anspruch nimmt…

Wir machen eine kleine Pause und kaufen an dem kleinen Kiosk, der auch ankommende Gäste der dortigen Jugendherberge bedient, kühle Getränke, die wir noch an Ort und Stelle einnehmen… Nach einer guten halben Stunde machen wir uns auf den Weg über die Cami Vell de la Victoria.

Wie so oft bei solchen Touren ist der Abstieg anstrengender und gefährlicher als der Weg rauf, da man irgendwie nur noch mit halber Kraft unterwegs ist. Die Stimmung zwischen Dr. Glück und mir ist ein wenig angespannt und wir kommen gegen halb 6 an der Bushalte in Bonaire an, wo wir, dem Gespräch zwischen einer jungen Deutschen und einer älteren Mallorcinerin lauschend, schweigend auf den Bus warten… Der Bus bringt uns leider nicht direkt nach Port d’Alcudia, so dass wir die Strecke, die wir bereits morgens zurück gelegt haben, nochmal machen dürfen… 🙂

In Port d‘ Alcudia angekommen nehmen wir den Bus zurück nach Can Picafort, wo wir später als sonst und ziemlich erschöpft nach einem vorherigen Zwischenstopp am Abendessen teilnehmen.

Am kommenden Tag ist meine Stimmung passend zum Wetter zunächst auf dem Tiefpunkt, was sich dank eines längeren Spaziergangs wieder bessert. Ich lese im Hotel ein wenig und nach dem Abendessen machen wir wieder einen Abstecher nach Pirates, wo ich mich für ein weiteres Bonus-Shirt qualifiziere 😀

Vosotros wateros amigos! 😀

Am nächsten Tag ist Abreisetag. Ausgecheckt und das Gepäck sicher im Gepäckraum des Untergeschosses des Hotels verstaut,  geben Dr. Glück und ich nochmal Gas und besuchen zum Abschluss gemeinsam die Necropole. Ansonsten ist Lesen und chillen in der Lobby angesagt. Dr. Geeeeeeeeee nimmt noch ’ne Abkühlung im Hotelpool und schickt mir ein lustiges Whatsapp-Video mit dem Ausspruch „Vosotros wateros amigos“. Ich lache mich schlapp! 😀

Zum Abschluss speisen wir nochmal in der Playa Bar, dort wo wir es uns am ersten Tag haben gut gehen lassen. Um 18:45 Uhr bzw. vor der Zeit ist schon unser Kleinbus da, der uns zum Flughafen bringt, wo wir eine gute Stunde und 15 Minuten später ankommen. Dort offenbart sich uns schnell, dass wir nicht pünktlich abfliegen werden. Mit gut 2 Stunden Verspätung geht’s zurück nach Köln-Bonn, wo wir irgendwann gegen halb 3 morgens ankommen. Da kein Zug zu dieser Zeit fährt, bleibt uns nichts als nach Köln Hbf zu fahren und dort zu warten. Um 5 Uhr nehmen wir den ersten Zug nach Dortmund, wo wir gegen halb 7 Uhr ankommen. Ich laufe den Weg nach Hause und betrete an einem Sonntagmorgen um 7 Uhr meine Wohnung.