
London gehört zu jenen Städten, die man eigentlich nicht an einem einzigen Tag besichtigen sollte. Dafür gibt es schlichtweg zu viel zu entdecken. Andererseits lässt sich selbst innerhalb weniger Stunden durchaus einiges unternehmen, sofern man bereit ist, sich anschließend zu fühlen, als hätte man einen Halbmarathon absolviert.
Am 31. Mai 2008 bot sich uns eine entsprechende Gelegenheit.
Das Jugendzentrum der Stadt Selm hatte eine Tagesfahrt nach London organisiert, in deren Genuss auch meine damalige Partnerin und ich kamen.
Zumindest ich war dem Alter, in dem man üblicherweise die Angebote eines Jugendzentrums wahrnimmt, zu diesem Zeitpunkt schon längst entwachsen. Aber offenbar wurde bei der Teilnahme nicht allzu streng auf die Einhaltung jugendlicher Altersgrenzen geachtet. Und schließlich sollte man sich eine solche Gelegenheit nicht entgehen lassen. 😉
Die Anreise begann bereits in der Nacht. Mit dem Bus ging es zunächst Richtung Niederlande, wo wir schließlich mit einer Fähre nach England übersetzten.
Welchen Hafen wir damals genau ansteuerten, weiß ich heute nicht mehr. Irgendetwas in der Gegend von Rotterdam beziehungsweise Hoek van Holland ist mir in Erinnerung geblieben. Nach beinahe zwei Jahrzehnten verschwimmen solche Einzelheiten allerdings ein wenig.
Jedenfalls war allein die Anreise schon eine kleine Unternehmung für sich.
Viel Zeit blieb uns in London anschließend nicht. Unser Aufenthalt beschränkte sich auf die Stunden zwischen der Ankunft am Morgen und der für den frühen Abend vorgesehenen Rückreise.
Unser Vorhaben war daher recht einfach: Möglichst viel von London sehen und dabei so wenig Zeit wie möglich verlieren.
Ein durchaus ambitioniertes Unterfangen.





London zwischen Denkmälern, Parkanlagen und britischen Flaggen
London im Schnelldurchlauf
Wer London zum ersten Mal besucht oder nur wenig Zeit zur Verfügung hat, kommt an den bekannten Sehenswürdigkeiten kaum vorbei.
Buckingham Palace und St. James’s Park
Einen angenehm grünen Kontrast zum Trubel der Großstadt bildeten die königlichen Anlagen rund um den Buckingham Palace und den St. James’s Park. Zwischen den alten Bäumen, Rasenflächen und Denkmälern ließ sich für einen Moment beinahe vergessen, wie eng unser Zeitplan eigentlich war. Bei der Rückschau fiel mir außerdem die berühmte Speakers’ Corner ein. Die liegt allerdings im Hyde Park, nicht im St. James’s Park – zwei Grünanlagen, die man nach so vielen Jahren gedanklich schon einmal durcheinanderbringen kann. Ob wir damals tatsächlich bis zur Speakers’ Corner gelangten, geben die Fotos jedenfalls nicht eindeutig her.





Victoria Memorial und Grünanlagen bei Buckingham Palace
Westminster Abbey, Parlament und Big Ben
So führte uns unser Weg unter anderem zum Buckingham Palace, zum britischen Parlament mit seinem berühmten Uhrturm Big Ben, zur Westminster Abbey und natürlich zum London Eye, dem riesigen Riesenrad am Südufer der Themse.
Gerade die Gegend rund um Westminster bietet eine beeindruckende Ansammlung historischer Bauwerke. Das Parlament mit seiner neugotischen Architektur, die ehrwürdige Westminster Abbey und die Themse vermitteln jenes Bild von London, das man aus unzähligen Filmen, Fernsehsendungen und Reiseführern kennt.





Westminster Abbey und ihre Architektur




Palace of Westminster und Big Ben – mit persönlichem Erinnerungsfoto
London Eye und die Themse
Natürlich bot auch das London Eye einen unverkennbaren Orientierungspunkt. Schon von der Straße und von den Ufern der Themse aus beeindruckte die Konstruktion des gewaltigen Riesenrades. Für eine Fahrt fehlte uns an diesem Tag allerdings die Zeit – es blieb beim Blick von außen.





Westminster, London Eye und Londoner Straßenverkehr
Trafalgar Square und die Straßen der Innenstadt
Weiter ging es durch die Stadt, vorbei am Trafalgar Square und dem Piccadilly Circus, wo man spätestens angesichts der Menschenmassen und des Verkehrs merkt, dass London eine pulsierende Millionenmetropole ist.





Trafalgar Square, National Gallery und Londoner Doppeldeckerbusse




Straßenszenen und ein Erinnerungsfoto vor einer roten Telefonzelle
Und am Piccadilly Circus durfte natürlich auch ein Erinnerungsfoto vor den großen, leuchtenden Werbetafeln nicht fehlen. Sanyo und die übrige Reklame prägten damals das Bild des Platzes – ein Stück London, das man sofort wiedererkennt.

Gleis 9¾ – Dobby war schuld!
Am Bahnhof King’s Cross wollten wir uns selbstverständlich auch das berühmte Gleis 9¾ ansehen.
Dort fährt bekanntlich der Hogwarts-Express ab, sofern man über die notwendigen magischen Fähigkeiten verfügt, um durch eine massive Wand zwischen den Bahnsteigen zu gelangen.
In der wirklichen Welt hatte man für Besucher immerhin einen Gepäckwagen vorgesehen, der scheinbar bereits zur Hälfte in der Wand verschwunden war.
Natürlich konnte ich es mir nicht nehmen lassen, ebenfalls einen Versuch zu unternehmen.





King’s Cross, die Bahnhofsuhr und meine Versuche in der Muggelwelt
Leider blieb der erhoffte Erfolg aus.
Trotz durchaus entschlossener Bemühungen gelang es mir nicht, mit dem Einkaufswagen die Grenze zwischen der Welt der Muggel und jener der Zauberer zu überwinden.
Eine Erklärung dafür habe ich allerdings.
Ich vermute, dass sich damals Dobby in meinem Bauch versteckt hatte und mit seinen magischen Fähigkeiten die Durchfahrt verhinderte.
Wer sich das entsprechende Foto ansieht, wird möglicherweise verstehen, was ich damit meine.
Jedenfalls muss es so gewesen sein. An mangelndem Schwung kann es eigentlich nicht gelegen haben. 😅
Der Bahnhof King’s Cross liegt übrigens unmittelbar neben dem imposanten Bahnhof St Pancras, dessen neugotische Fassade ebenfalls in den Harry-Potter-Filmen zu sehen war.
Für uns war dieser Abstecher jedenfalls eine willkommene Abwechslung zwischen all den historischen Sehenswürdigkeiten.
St. Paul’s Cathedral und das Themsenufer
Auch die St. Paul’s Cathedral stand auf unserem Programm. Die gewaltige Kuppel des Gotteshauses gehört zu den markantesten Erscheinungen der Londoner Skyline.
Nicht weit davon entfernt befindet sich die Millennium Bridge, jene moderne Fußgängerbrücke über die Themse, die einen reizvollen Kontrast zur historischen Architektur der Stadt bildet.





St. Paul’s, die Umgebung der Themse und die Londoner Skyline




Persönliche Eindrücke und Aussichten entlang der Themse
Auf den Spuren von Harry Potter – Leadenhall Market
Neben den klassischen Sehenswürdigkeiten interessierten uns auch einige Drehorte der Harry-Potter-Filme.
Dazu gehörte der Leadenhall Market, eine wunderschöne viktorianische Markthalle mit ihren kunstvoll gestalteten Fassaden und dem imposanten Glasdach.





Leadenhall Market und die Londoner City
Teile des ersten Harry-Potter-Films wurden hier gedreht. Insbesondere der Weg zum „Tropfenden Kessel“, hinter dem sich bekanntlich der Zugang zur Winkelgasse – Diagon Alley – verbirgt, wurde durch diese Kulisse dargestellt.

Auch wenn die eigentliche Winkelgasse überwiegend in Filmstudios entstand, konnte man an diesem Ort zumindest ein wenig von der Atmosphäre der Filme wiedererkennen.
Überhaupt hat London für Freunde der Harry-Potter-Geschichten einiges zu bieten. Zahlreiche reale Orte der Stadt fanden ihren Weg in die Filme oder dienten als Inspiration für die Welt von Joanne K. Rowling.
Tower of London und Tower Bridge
Und natürlich durfte auch der Tower of London nicht fehlen. Kaum ein anderes Bauwerk steht so sehr für die wechselvolle Geschichte Englands, für königliche Macht, politische Intrigen und gelegentlich auch etwas weniger erfreuliche Formen der Konfliktbewältigung.





Tower of London, Tower Bridge und das Themseufer




An der Tower Bridge – mit Fotos von mir vor dem Wahrzeichen
Bei unserem knappen Zeitbudget blieb es zwangsläufig überwiegend bei Außenbesichtigungen und kurzen Fotostopps. Für ausführliche Führungen oder Museumsbesuche war schlichtweg keine Zeit.
Dennoch bekamen wir innerhalb weniger Stunden einen erstaunlich umfangreichen Eindruck von der Stadt.
Eine Stadt, für die ein paar Stunden nicht reichen
Viel zu schnell rückte schließlich der Zeitpunkt unserer Abreise näher.
London ist eine Stadt, die einen mit ihrer schieren Größe, ihrer Geschichte und ihrer kulturellen Vielfalt beinahe erschlägt. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken, und kaum hat man eine Sehenswürdigkeit hinter sich gelassen, wartet bereits die nächste.
Natürlich kann man innerhalb weniger Stunden lediglich an der Oberfläche kratzen.
Für ausführliche Museumsbesuche, ausgedehnte Spaziergänge durch die verschiedenen Stadtviertel oder einen gemütlichen Nachmittag in einem der zahlreichen Pubs blieb bei unserem straffen Programm keine Zeit.
Aber darum ging es an diesem Tag auch nicht.
Wir wollten möglichst viel sehen, Eindrücke sammeln und ein wenig von jener besonderen Atmosphäre aufsaugen, die London für mich zu einer der faszinierendsten Metropolen Europas macht.
Dass die Füße am Ende dieses Kurzbesuchs vermutlich anderer Meinung waren, sei dahingestellt.
Spätestens auf der Rückreise dürfte uns die Kombination aus nächtlicher Anfahrt, Fährüberfahrt und einem ausgiebigen Besichtigungsmarathon jedenfalls ordentlich in den Knochen gesteckt haben.
Geblieben sind die Erinnerungen an einen abwechslungsreichen, durchaus anstrengenden Tag in der britischen Hauptstadt.
Und natürlich die bittere Erkenntnis, dass meine Aufnahme an der Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei wohl endgültig gescheitert war.
Vielleicht hätte ich Dobby einfach zu Hause lassen sollen. 😅
