
Es gibt Reisen, von denen nach über zwanzig Jahren erstaunlich viel in Erinnerung geblieben ist. Und andere, bei denen man sich fragt, ob man seinerzeit überhaupt dabei gewesen ist. Prag liegt irgendwo dazwischen. An die großartige Architektur erinnere ich mich noch recht gut, an manche unangenehme Begegnung leider ebenfalls. Bei der Reihenfolge der einzelnen Stationen helfen mir heute vor allem die alten Fotos auf die Sprünge.
Vom 18. bis zum 20. Dezember 2003 war ich mit meiner damaligen Lebenspartnerin in der tschechischen Hauptstadt. Gebucht hatten wir eine Busreise über Graf-Reisen.
Nach historischen Wettermodell-Daten lagen die Tageshöchstwerte in Prag an diesen drei Tagen bei rund vier bis sechs Grad. In den ersten beiden Nächten ging die Temperatur sogar etwas unter den Gefrierpunkt. Es war also tatsächlich kalt – und nicht nur in meiner Erinnerung. Die lustigen, warmen Mützen, die wir uns dort kauften, waren jedenfalls keine überflüssige Anschaffung.
Anreise und erste Eindrücke
Die Anreise erfolgte mit dem Reisebus. Wie lange wir tatsächlich unterwegs waren und an welcher Stelle wir zuerst ausstiegen, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren. Was sofort auffiel: Prag besaß auch abseits seiner berühmten Altstadt ein ganz eigenes Gesicht. Straßenbahnen, breite Straßen und Häuserfassaden erzählten von einer anderen städtebaulichen Entwicklung als der, die man aus vielen westdeutschen Innenstädten kannte.
Zwischen Verkehr, Fassaden aus unterschiedlichen Jahrzehnten und ersten markanten Türmen merkten wir schnell, dass wir uns in einer geschichtsträchtigen Großstadt befanden. Nicht alles war herausgeputzt. Aber gerade dieser Kontrast gehörte damals wohl zum Eindruck einer Stadt, die sich noch immer veränderte.
Straßen und erste Sehenswürdigkeiten in Prag
Türme, Portale und Fassaden im Stadtzentrum
Ein Hotel mit dem Charme des früheren Ostblocks
Untergebracht waren wir jedenfalls nicht mitten in der historischen Innenstadt. Unsere Unterkunft lag außerhalb des Zentrums, irgendwo in einer Siedlung, die ich vor allem mit dem osteuropäischen Plattenbaucharme jener Zeit verbinde. Das klingt vielleicht wenig schmeichelhaft, beschreibt aber ziemlich genau die Bilder, die bis heute in meinem Kopf geblieben sind.
Von dort ging es mit öffentlichen Verkehrsmitteln weiter. War es ein Bus? Eine Bahn? Vermutlich beides irgendwann einmal – nach über zwanzig Jahren möchte ich mich da nicht mehr festlegen. Die Prager Straßenbahnen jedenfalls sind auf den Fotos nicht zu übersehen.
Prager Straßenbahnen und Gebäude
Unterwegs zwischen Straßenzügen und Plätzen
Über den Dächern von Prag
Die eigentliche Belohnung für die Fahrt in die Stadt waren die Ansichten von Prag. Ein Häusermeer mit roten Dächern, Kirchtürmen und großen Plätzen, das sich über die Hügel und entlang der Moldau ausbreitete. Hier konnte man verstehen, warum die Stadt über Jahrhunderte eine so wichtige Rolle in der europäischen Geschichte spielte.
Auf einigen Bildern stehe ich mit einer jener Mützen, von denen ich eben sprach, vor der Kulisse der Altstadt. Das modische Urteil darüber überlasse ich großzügig der Nachwelt. Ihr praktischer Nutzen bei winterlichen Temperaturen stand jedenfalls außer Frage.
Altstadtdächer und historische Straßen
Türme, Plätze und Denkmäler
Karlsbrücke und Moldau
Natürlich gehörte auch die Moldau zu den prägenden Eindrücken. Die Karlsbrücke mit ihren Statuen und dem Blick auf die Stadt gehört zu jenen Bauwerken, die selbst auf mäßig belichteten Digitalfotos noch wirken. Von dort eröffnen sich Ansichten, in denen sich Kirchtürme und Kuppeln über dem Fluss staffeln.
Der Karl, der mit Prag so eng verbunden ist, war übrigens nicht Karl der Große, sondern Karl IV. – böhmischer König und später römisch-deutscher Kaiser. Unter ihm entstand im 14. Jahrhundert die Karlsbrücke, und 1348 gründete er die Prager Universität. So viel europäische Geschichte auf vergleichsweise engem Raum findet man nicht alle Tage.
Statuen und Spaziergänger an der Karlsbrücke
Brückenskulpturen und Moldaublicke
Ein Blick, der länger bleibt
Einige Aufnahmen zeigen die Moldau und die Dächer der Stadt aus erhöhter Perspektive. Selbst im Dunst dieses Dezemberwochenendes ist zu erahnen, wie eindrucksvoll Prag bei klarer Sicht wirken muss. Und auch ohne strahlenden Sonnenschein haben diese Ansichten ihren Reiz.
Es war eine Zeit, in der sich Tschechien knapp anderthalb Jahrzehnte nach der Samtenen Revolution stark veränderte. Der EU-Beitritt stand im Dezember 2003 sogar unmittelbar bevor; er erfolgte am 1. Mai 2004. Die restaurierten historischen Fassaden standen neben deutlich weniger gepflegten Ecken – eine Stadt im Wandel, die ihren Besuchern ganz unterschiedliche Seiten zeigte.
Blicke über Dächer und Moldau
Historische Türme und Häuserfassaden
Altstädter Ring und die astronomische Uhr
Auch der Altstädter Ring gehört zu den Orten, die man in Prag kaum auslassen kann. Zwischen den eindrucksvollen Fassaden, der Teynkirche und dem Altstädter Rathaus mit seiner astronomischen Uhr kommt man sich streckenweise vor wie in einem riesigen Freilichtmuseum.
Die berühmte Rathausuhr – das Prager Orloj – stammt in ihren Ursprüngen bereits aus dem frühen 15. Jahrhundert. Auf meinen Fotos ist sie gleich mehrfach zu sehen. Offenbar war ich von dem kunstvollen Zifferblatt schon damals fasziniert. Manchmal darf es eben auch ein wenig mehr als ein einziger Schnappschuss sein.
Astronomische Uhr und Kirchen am Altstädter Ring
Gotische Türme und Straßenszenen am Altstädter Ring
Prager Burg und Veitsdom
Über der Stadt thront die Prager Burg, auf deren Gelände sich auch der gewaltige Veitsdom erhebt. Die vielen Türmchen, Fialen, Portale und Glasfenster lassen erahnen, wie viel Arbeit und Geschichte in diesen Mauern stecken. Auf den Bildern ist zu sehen, dass wir uns auch im Inneren umgeschaut haben.
Der Veitsdom ist eines jener Bauwerke, die auf Fotos kaum im richtigen Maßstab wiederzugeben sind. Besonders die Glasfenster und die aufwendig gestalteten Details hatten es mir offenbar angetan. Ein Foto nach dem anderen – bei dem damaligen Licht allerdings nicht immer ein leichtes Unterfangen.
Kirchenarchitektur und Eindrücke aus dem Veitsdom
Glasfenster, Kuppeln und weitere Architekturdetails
Altstadtgassen und Begegnungen
So schön die Bauwerke waren, so durchwachsen blieb mein Eindruck von mancher Begegnung mit Menschen, die damals vom Tourismus lebten. Wir hatten mehrfach das Gefühl, dass man uns als Fremde möglichst schnell um ein paar Kronen erleichtern wollte. Und in einzelnen Situationen blieb es nicht bei dem Gefühl. Die Einzelheiten bekomme ich heute nicht mehr vollständig zusammen; das ungute Gefühl ist leider geblieben.
Das ist selbstverständlich keine Aussage über die Einwohner Prags insgesamt. Aber die Erfahrungen mit einzelnen Händlern oder Dienstleistern können die Erinnerung an eine Reise eben genauso prägen wie schöne Plätze. Beides gehört zu meinem Prag von 2003.
Straßenzüge und Plätze in Prag
Brückenblick und Prag-Panorama
Von Gassen, Uhren und einem ausgezeichneten Essen
Es gab aber auch Erinnerungen, bei denen ich bis heute ohne jedes Zögern ins Schwärmen gerate. In der Nähe der Prager Burg, auf einem Platz mit mehreren Restaurants, aßen wir einen klassischen Rinderbraten mit dunkler Soße, Rotkohl und Knödeln. Und was soll ich sagen? Das war der Hammer. Ich kann mich nicht mehr an den Namen des Lokals erinnern, wohl aber daran, wie gut dieses Essen an einem kalten Dezembertag tat.
Vielleicht lag es am Hunger nach all den Wegen durch die Stadt, vielleicht an der Kälte. Vermutlich war es einfach hervorragend gekocht. Jedenfalls hat dieses Essen die Jahrzehnte in meinem Gedächtnis erstaunlich unbeschadet überstanden – mehr als so manche Wegbeschreibung.
Denkmäler, Fassaden und die Prager Rathausuhr
Prager Abendstimmung und die Burg
Ein Wochenende mit zwei Gesichtern
Viel zu schnell waren die drei Tage vorüber. Auf den letzten Bildern tauchen noch einmal die Burg, der Veitsdom, die Stadt bei Dämmerung und ich selbst in meiner winterlichen Ausrüstung auf. Damals war die Digitalkamera noch keineswegs so selbstverständlich, wie sie heute ist. Nicht jedes Foto ist technisch gelungen. Aber manche Bilder gewinnen gerade dadurch, dass sie eine Zeit zeigen, die längst vergangen ist.
Prag hat bei mir einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Die Menschen, mit denen wir schlechte Erfahrungen machten, hätte ich mir gern erspart. Auf die Architektur, die Ansichten über die Moldau und natürlich den Rinderbraten würde ich dagegen nicht verzichten wollen.
Vielleicht ist das ja ein ganz brauchbares Fazit: Nicht jede Reise muss rundum angenehm gewesen sein, um dennoch erinnerungswürdig zu bleiben. Und die Mützen waren, bei diesen Temperaturen, auf jeden Fall eine gute Investition. 😉
Spätnachmittagsstimmung und Baukunst in der Burg
Persönliche Erinnerungen und letzte Ansichten von Prag
Hinweis zu den Wetterangaben: Die genannten Werte stammen aus historischen, rückblickend berechneten Wetterdaten für Prag (Open-Meteo/ERA5) und sind keine örtlichen Messungen dieser Reise.





















































